18.9.2020
Die "lidA- leben in der Arbeit" Studie

Seit 2009 untersucht der Lehrstuhl für Arbeitswissenschaftan der Bergischen Universität Wuppertal in einer Langzeitstudie das Themenfeld "Arbeit, Alter, Gesundheit und Erwerbsteilhabe". Ziel der Studie ist die Erforschung von Langzeiteffekten der Arbeit auf Gesundheit und Erwerbsteilhabe einer älterwerdenden Erwerbsbevölkerung aus interdisziplinärer Perspektive.

Die lidA-Studie, so Prof. Hans Martin Hasselhorn, zeige ein sehr widersprüchliches Ergebnis. Zum einen bedeute den meisten Babyboomern ihre eigene Arbeit "sehr viel", zum anderen wollen nur die wenigsten bis zum gesetzlichen Rentenalter erwerbstätig sein. Mehr als die Hälfte derB efragten wolle „so früh wie möglich“ aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Nur jeder Zehnte würde gerne bis zum gesetzlich vorgesehenen Renteneintrittsalter arbeiten. Das gilt nicht nur, wenn gesundheitliche Einschränkungen vorliegen oder die Arbeit hohe körperliche oder psychische Belastungen mit sich bringt. Auch bei denen, bei denen „alles stimmt“, die eine gute Gesundheit haben und gleichzeitig ihre Arbeitsfähigkeit als hoch einschätzen, ist es nur einer von sieben, der bis zum gesetzlich vorgesehenen Renteneintrittsalter erwerbstätig sein möchte.

Der Facharzt für Arbeitsmedizin, der den Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft an der Bergischen Universität leitet, sieht ein großes Problem darin, dass Erwerbsarbeit in Deutschland – im Vergleich mit skandinavischen Ländern – leider unter Wert diskutiert werde. „Die gesundheits- und persönlichkeitsförderliche Funktionen, die Arbeit haben kann, werden nicht ausreichend gesehen“, betont er. Das habe viele Ursachen, oft natürlich, dass die Arbeit schlicht oder schlecht gestaltet sei. Aber auch dort, wo die Arbeit gut sei, seien den Befragten wichtige Funktionen ihrer Erwerbsarbeit offensichtlich nicht bewusst. Die persönlichkeits- und gesundheitsförderlichen Funktionen der Arbeit werden, so der Experte, in der öffentlichen Diskussion um Arbeit und Erwerbsteilhabe kaum berücksichtigt. In einem Interview mit dem Tagesspiegel verweist er auf die Ergebnisse der Soziologin Marie Jahoda, die der frühen 1930er Jahren die Lebenslage von Arbeitslosen untersucht hatte. Neben dem Gelderwerb spielen die latenten Funktionen von Arbeit wie Zeitstruktur, Sozialkontakte, Status und Identität, Teilhabe an kollektiven Zielen und regelmäßige Tätigkeit eine wichtige Rolle für die eigene Gesundheit. Erst wenn wir keine Arbeit mehr haben – z. B. in der Rente – würde man erkennen, was Arbeit einem alles gebe, so Prof. Hasselhorn. Ziel der lidA-Studie sei, zu einer ehrlichen Diskussion über eine positive Arbeitskultur beizutragen.

Das Studiendesign:

Die Anzahl älterer Beschäftigter in Deutschland nimmt seitJahren rasant zu. Laut Statistischem Bundesamt waren 2017 rund 15,2 Millionen Erwerbstätige 50 Jahre alt oder älter. Sie machen damit 38 Prozent aller Erwerbstätigen aus. Zehn Jahre zuvor waren es noch zehn Millionen Personen gewesen. Die Grundgesamtheit der lidA-Studie besteht aus 6.585 Personen der Geburtskohorten 1959 und 1965, die am 31. Dezember 2009 sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Die Stichprobenziehung erfolgte aus Daten der Bundesagentur für Arbeit für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Die zweite Welle wurde 2014 mit 4.244 Befragten durchgeführt. Die dritte Welle fand im Frühling 2018 statt, 3.586 Personen konnten dabei wieder befragt werden. Die Stichprobe ist repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung gleichen Alters.

Professor Hans Martin Hasselhorn ist Facharzt fürArbeitsmedizin. Er leitet den Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal und zusammen mit seinem Team die „Leben in derArbeit“-Studie (www.lida-studie.de).

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